Ehemaligenbericht der EDV-Schulen Wiesau (Fachinformatiker)

Name: Alois Maderer

Abschluss: Fachinformatiker

Klasse: DVK 1990-1993

Aktueller Beruf: Leiter Logistikbereich MAGNA

 

Wer bin ich?

Ich darf mich kurz vorstellen: Mein Name ist Alois Maderer, ich wohne in Altendorf im nordöstlichen Landkreis Schwandorf, bin verheiratet und habe zwei Kinder. Die EDV-Schulen Wiesau besuchte ich von 1990 bis 1993. Auf Anregung der Schule darf ich nun 20 Jahre nach Schulabschluss meinen bisherigen beruflichen Werdegang schildern.

 

Nach Ableistung des Wehrdienstes begann ich ein Studium der Fachrichtung „Elektrotechnik“ in Regensburg. Nicht zuletzt aufgrund des hohen Freizeitwertes dieser Stadt und der Vorteile des Studentenlebens scheiterte ich jedoch schon nach drei Semestern am Vordiplom. Nun stand ich vor der Tatsache, mit 21 Jahren keine abgeschlossene Berufsausbildung zu besitzen, und musste feststellen, dass es gar nicht so einfach war, eine Lehrstelle zu finden. In dieser Not wurde ich von Freunden auf die EDV-Schulen in Wiesau hingewiesen. Obwohl ich zu dieser Zeit alles rund um Computer und EDV als furchtbar langweilig empfand, bewarb ich mich dort und erhielt auch eine entsprechende Zusage.

 

 

Wo liegt eigentlich Wiesau?

Schon zu Beginn der Ausbildung wurde durch früh plazierte Erfolgserlebnisse am Rechner („Hallo-Welt-Programme“) meine EDV-Begeisterung geweckt. Durch die fehlende „Schulmentalität“ entwickelte sich schnell ein sehr kollegiales und freundschaftliches Verhältnis innerhalb der Klasse, zu vielen Lehrkräften und auch klassenübergreifend unter den Schülern. Dazu trugen auch die gemeinsamen Feste, Fahrten und Veranstaltungen viel bei. Durch die Ausgewogenheit von Theorie und Praxis machte mir die Ausbildung  zwar sehr viel Spaß, ich war aber trotzdem froh, nach erfolgreicher Abschlussprüfung ins Berufsleben einsteigen zu können.

 

Es geht los…

Bei meiner Praktikumsfirma CAT’Systems in Regensburg wurde ich als Anwendungsprogrammierer für RPG auf der AS/400 übernommen. Das dortige Programmiererteam bestand (außer den leitenden Angestellten) komplett aus DVK- bzw. FWI-Absolventen. Meine Aufgabe war im Rahmen der Neuentwicklung einer Standardsoftware die Erstellung der Auftragsabwicklung. Dabei hatte ich sämtliche Phasen vom Grobkonzept über Realisierung bis zur Einführung bei Kunden mit Schulung, Hotline und Wartung abzuwickeln. Hierbei kamen mir meine in Wiesau erworbenen Programmierkenntnisse und das vermittelte kaufmännische Wissen enorm zugute. Sehr schnell musste ich aber auch feststellen, dass die von Hrn. Paetzolt propagierten und von mir damals oft angezweifelten Probleme bei der Entwicklung und Einführung von Software oft auftraten. So gab es beispielsweise immer wieder Schwierigkeiten mit Fertigstellungsterminen und Anwenderakzeptanz. Trotzdem machte mir die Arbeit dort sehr viel Spaß. Nach mehreren Jahren im Softwarehaus wollte ich dann auch die andere Seite der Welt kennen lernen und entschloss mich 1998 zu einem Wechsel  zum MAGNA-Konzern.

 

Autos fahren ist einfacher als Autos bauen…

Mein derzeitiger Arbeitgeber ist mit über 100 000 Mitarbeitern an mehr als 300 Standorten einer der weltweit führenden Automobilzulieferer. Mein Verantwortungsbereich umfasste zu Beginn die EDV und Organisation des Werkes Wackersdorf. Dort fertigten wir mit ungefähr 220 Mitarbeitern Tür- und Seitenverkleidungen für die BMW 3er-Serie (Coupés und Cabrios) und lieferten diese just in time und just in sequence an das BMW-Montagewerk in Regensburg. Hier wurde ich vor komplett neue Herausforderungen gestellt. Da sich unser Werk zum Zeitpunkt meines Eintritts erst in der Aufbauphase befand, waren Abläufe in allen Bereichen zu definieren, umzusetzen und zusammen mit Kunden, Lieferanten, externen Partnern und den Fachabteilen Konzepte zu erstellen und zu realisieren. Dabei mussten die Anforderungen der diversen Fachabteilungen entsprechend koordiniert werden, d. h. beispielsweise muss eine Änderung des logistischen Ablaufes auch zu richtigen Ergebnissen in der Buchhaltung führen. Es zeigte sich immer mehr, dass EDV zu einem großen Teil aus Organisation und Prozessen bestehen kann. Bei meiner Tätigkeit kamen mir meine in Wiesau und in der Praxis erworbenen Programmierkenntnisse vor allem bei der Entwicklung von Softwarekonzepten und der Feinabstimmung mit unserem Softwarepartner sehr zugute. Auch das erlernte kaufmännische Wissen wurde bei der Zusammenarbeit mit den einzelnen Fachabteilungen oft benötigt.

 

Die Oberpfalz ist nicht das Ende der Welt.

Nach sehr spannenden Anfangsjahren im Unternehmen wurde ich dann in eine Art interner task-force aufgenommen. Zusätzlich zu den vorhandenen Aufgaben durfte ich  bei werksübergreifenden Optimierungsprojekten mitwirken, musste aber auch bei Eskalationsthemen lokal unterstützen. Trotz hoher, teilweise internationaler Reisetätigkeit und längerer, anstrengender Einsätze vor Ort an in- und ausländischen  Standorten war dies für mich positiv und ich profitiere noch heute von den dabei gewonnenen Erfahrungen. Eine besondere Freude war für mich in dieser Zeit auch, dass ich einen Fachinformatiker ausbilden durfte. Dieser ist nach erfolgreichem Abschluss immer noch im Unternehmen und nun auf dem Weg in eine Führungsverantwortung.

Was hat Logistik mit IT zu tun?

Ende 2007 wurde ich dann gefragt, ob ich mir vorstellen könne, zusätzlich die Leitung des Logistikbereichs zu übernehmen. Obwohl in einem JIT/JIS-Betrieb die Logistik zu einem nicht geringen Teil aus IT besteht und umgekehrt, nahm ich die Herausforderung mit einem etwas flauen Gefühl an. Somit wuchs meine Führungsspanne von drei auf ca. 30 Mitarbeiter an und ich kämpfte nun mehr mit Lieferantenrückständen als mit Softwarefehlern. Spannend wurde die Aufgabe aber auch durch das stark diversifizierte Team vom angelernten Mitarbeiter mit Migrationshintergrund bis zum Diplom-Betriebswirt.

Gut ein Jahr später durfte ich dann wieder meinen IT-Zuständigkeitsbereich erweitern und mir wurde die Verantwortung für ein IT-Team mit über zehn Mitarbeitern am Standort Straubing übertragen. Dort sind mehr als 600 Mitarbeiter mit der Fertigung von Instrumententafeln und Mittelkonsolen für eine Vielzahl von Baureihen (von Ferrari bis LKW) beschäftigt. Die Herausforderung war nun, aus auf mehrere Standorte verteilten EDV-Spezialisten ein effizientes und werksübergreifend agierendes IT-Team zu bilden. Durch die hervorragende Mitarbeit und Flexibilität der Kolleginnen und Kollegen ist dies auch gelungen.

 

Man ist nur so gut wie sein Team!

Die nächsten Herausforderungen ließen nicht lange auf sich warten. Allerdings kamen nun nahezu zeitgleich zwei neue Aufgaben auf mich zu: Übernahme der Leitung der Logistikabteilung in Straubing mit über 60 Mitarbeitern und Aufbau der IT und der Logistik an einem neugegründeten Standort in der Slowakei. Fordernd war nun neben der Personalverantwortung für ca. 100 IT- und Logistikmitarbeiter an drei Standorten in zwei Ländern auch der Umgang mit unterschiedlichen Mentalitäten. Meine Reisetätigkeit belief sich nun oft auf weit über 8.000km im Monat. Allerdings konnte ich auch viel an Erfahrung sammeln. Möglich wurde diese Organisationsform aber vor allem dadurch, dass ich in allen Bereichen über besonders fähige und engagierte Teamleiter und über eine tolle Mannschaft verfügte. Eine weitere wichtige Rolle spielte auch, dass ich lange Jahre einen hervorragenden Chef hatte.

 

Im Oktober 2011 wurde mir dann die Werkleitung und Prokura für das Werk Wackersdorf übertragen. Somit hatte sich zwar die geographische Verantwortung reduziert, die lokale Verantwortung aber dafür deutlich erhöht. Aktuell produzieren wir mit knapp 200 Mitarbeitern Türinnenverkleidungen für die 1er-, 3er- und 6er-Serien von BMW sowie Zierleisten für den Porsche Cayenne. Obwohl wir uns in einem schwierigen Marktumfeld mit zunehmender Globalisierung bewegen, konnten wir uns bisher erfolgreich behaupten. Dieser Erfolg beruht auf besonderen Leistungen von Menschen in allen Fachbereichen und Ebenen und vor allem aber auf deren Zusammenarbeit. Hier war und ist IT ein wichtiger Faktor. Neben der Bereitstellung von Tools und Systemen, der Definition und Organisation von Prozessen stellt vor allem die IT in einem Industriebetrieb den wirklich übergreifenden Bereich einer Firma dar. In jeder Fachabteilung wird IT eingesetzt, die Kunst ist nur, dies so zu gestalten, dass es für alle optimal ist und perfekt ineinander greift. Deshalb ist es aus meiner Sicht speziell im IT-Bereich wichtig, neben  technischer Kompetenz auch Prozesswissen in allen Bereichen eines Unternehmens zu besitzen und zu erweitern, um erfolgreich zu sein.

Beruflicher Erfolg besteht zu einem Drittel aus Kompetenz, zu einem Drittel aus persönlichem Einsatz und Flexibilität und zu einem Drittel aus Glück.

 

Es stellt für mich eine Ehre dar, dass ich heute die Fabrik leiten darf, in der ich vor 15 Jahren noch Drucker installiert und PCs konfiguriert habe. Die Ausbildung in Wiesau war dazu ein sehr guter und wichtiger Grundstein, speziell durch die Kombination von IT-technischen und kaufmännischen Inhalten. Abschließend möchte ich feststellen, dass mir meine Ausbildung in Wiesau den beruflichen Werdegang  eines Hochschulabsolventen ermöglicht hat und ich diesen Weg jederzeit wieder wählen würde.

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